Energie-Glossar
65 Fachbegriffe aus Redispatch, Abregelung und Energiewirtschaft – verständlich erklärt.
A
Abregelung
Die Reduzierung der Einspeiseleistung einer Erzeugungsanlage durch den Netzbetreiber zur Vermeidung von Netzengpässen.
Ausfallarbeit
Die Energiemenge, die eine Anlage ohne eine Redispatch-Maßnahme eingespeist hätte – zentrale Berechnungsgröße für die Entschädigung.
AAÜZ (Angemessener Ausgleich)
Angemessener Ausgleich für die Übernahme von Zusatzkosten im Rahmen von Redispatch-Maßnahmen – eine bilanziell relevante Größe.
Anreizregulierung
Regulierungsrahmen für Netzbetreiber in Deutschland – setzt Erlösobergrenzen und Effizienzanreize für den Netzbetrieb.
Ausgleichsenergie
Energie, die zum Ausgleich von Bilanzkreisabweichungen benötigt wird – wird von den ÜNBs über den Regelenergiemarkt beschafft.
Anlagenstammdaten
Grundlegende technische und administrative Daten einer Erzeugungsanlage – Basis für die korrekte Zuordnung im Redispatch-Prozess.
ARegV
Anreizregulierungsverordnung – definiert das Regulierungsmodell für Strom- und Gasnetzbetreiber mit Erlösobergrenzen und Effizienzvergleich.
Aufforderungsfall
Redispatch-Maßnahme, bei der der Anlagenbetreiber aufgefordert wird, die Einspeiseleistung eigenständig anzupassen.
B
Bilanzkreis
Virtuelles Energiekonto, in dem Einspeisungen und Entnahmen bilanziell ausgeglichen werden – zentral für die Redispatch-Abwicklung.
BK6-20-059
Festlegung der Bundesnetzagentur, die die Prozesse für Redispatch 2.0 definiert – das zentrale Regelwerk für die Redispatch-Abrechnung.
Bundesnetzagentur (BNetzA)
Deutsche Regulierungsbehörde für den Energiemarkt – erlässt die Regeln für Redispatch, Netzentgelte und Marktkommunikation.
Bilanzkreisabweichung
Differenz zwischen eingespeister und entnommener Energie innerhalb eines Bilanzkreises – wird über Ausgleichsenergie saldiert.
Blindleistung
Leistungskomponente im Wechselstromnetz, die für den Aufbau magnetischer und elektrischer Felder benötigt wird und die Spannungshaltung beeinflusst.
C
D
Day-Ahead-Markt
Stromhandelssegment für die Lieferung am Folgetag – hier werden die Referenzpreise für die Energiewirtschaft gebildet.
Direktvermarktung
Vermarktung von Strom aus erneuerbaren Energieanlagen direkt an der Börse statt über die feste Einspeisevergütung.
Duldungsfall
Redispatch-Maßnahme, bei der der Netzbetreiber direkt in die Anlage eingreift, ohne vorherige Abstimmung mit dem Betreiber.
E
Einspeisemanagement
Historischer Begriff für die Abregelung erneuerbarer Energieanlagen zur Vermeidung von Netzengpässen – seit Redispatch 2.0 in den Redispatch integriert.
EDIFACT
Internationaler Standard für den elektronischen Datenaustausch, der in der deutschen Energiewirtschaft für die Marktkommunikation verwendet wird.
Entschädigung nach § 15 EEG
Gesetzlicher Entschädigungsanspruch für Betreiber erneuerbarer Energieanlagen bei Abregelung – in der Regel 95 % des entgangenen Erlöses.
ENTSO-E
Europäischer Verband der Übertragungsnetzbetreiber – koordiniert den grenzüberschreitenden Stromtransport und veröffentlicht Transparenzdaten.
EEX
European Energy Exchange – europäische Energiebörse mit Sitz in Leipzig, an der u. a. Strom-Terminkontrakte gehandelt werden.
EPEX Spot
Europäische Strombörse für den Spotmarkt – betreibt die Day-Ahead- und Intraday-Auktionen für Strom.
EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz)
Zentrales deutsches Gesetz zur Förderung erneuerbarer Energien – regelt u. a. Einspeisevorrang, Vergütung und Entschädigung bei Abregelung.
EnWG (Energiewirtschaftsgesetz)
Gesetzlicher Rahmen für den deutschen Energiemarkt – regelt Netzzugang, Versorgungssicherheit und Systemverantwortung.
Engpassmanagement
Oberbegriff für alle Maßnahmen zur Bewirtschaftung von Netzengpässen – umfasst Redispatch, Countertrading und Abregelung.
Erzeugungsmanagement
Gesamtheit der Maßnahmen zur Steuerung und Optimierung der Stromerzeugung innerhalb eines Portfolios oder Netzbereichs.
Erlösobergrenze
Maximal zulässiger Gesamterlös eines regulierten Netzbetreibers pro Regulierungsperiode – festgelegt durch die Bundesnetzagentur.
F
Fahrplanmanagement
Planung und Abstimmung von Einspeise- und Entnahmefahrplänen zwischen Marktteilnehmern und Netzbetreibern.
Frequenzhaltung
Stabilisierung der Netzfrequenz bei 50 Hz durch den Einsatz von Regelenergie – essenziell für die Versorgungssicherheit.
G
I
L
M
Marktlokation (MaLo)
Eindeutiger Identifikator für einen Einspeise- oder Entnahmepunkt am Stromnetz – relevant für Redispatch-Zuordnung und Marktkommunikation.
Messlokation (MeLo)
Physischer Ort der Energiemessung, identifiziert durch eine eindeutige ID – liefert die Messdaten für die Redispatch-Abrechnung.
MaBiS
Marktregeln für die Durchführung der Bilanzkreisabrechnung Strom – definiert die Prozesse für die bilanzielle Abwicklung.
Merit-Order
Einsatzreihenfolge von Kraftwerken nach aufsteigenden Grenzkosten – bestimmt den Strompreis am Day-Ahead-Markt.
Marktstammdatenregister
Zentrales behördliches Register für Stammdaten des Strommarkts – alle Erzeugungs- und Speicheranlagen müssen hier registriert sein.
Marktprämie
Finanzielle Förderung für EE-Anlagen in der Direktvermarktung – Differenz zwischen anzulegendem Wert und Monatsmarktwert.
Mehr-/Mindermengenabrechnung
Abrechnung der Differenz zwischen prognostizierter und tatsächlich verbrauchter Energiemenge bei Standardlastprofil-Kunden.
Marktkommunikation
Standardisierter elektronischer Datenaustausch zwischen den Marktteilnehmern der Energiewirtschaft über EDIFACT-Nachrichten.
N
Netzengpass
Situation, in der die verfügbare Übertragungskapazität nicht ausreicht, um alle Einspeisungen und Entnahmen gleichzeitig abzuwickeln.
Netzentgelte
Regulierte Gebühren für die Nutzung des Strom- und Gasnetzes – finanzieren den Netzbetrieb und werden auf Endverbraucher umgelegt.
Netzstabilität
Fähigkeit des Stromnetzes, trotz Störungen und Lastschwankungen einen sicheren Betrieb aufrechtzuerhalten.
N-1-Kriterium
Sicherheitsprinzip im Netzbetrieb: Das Netz muss den Ausfall eines beliebigen Betriebsmittels ohne Versorgungsunterbrechung verkraften.
P
R
Redispatch
Netzseitige Maßnahme zur Vermeidung von Netzengpässen durch gezielte Anpassung der Erzeugungsleistung konventioneller und erneuerbarer Energieanlagen.
Redispatch 2.0
Seit Oktober 2021 geltende erweiterte Regeln für Redispatch-Maßnahmen, die auch Anlagen unter 10 MW und erneuerbare Energien einbeziehen.
Regelenergie
Kurzfristig abrufbare Energiereserve zum Ausgleich von Schwankungen zwischen Erzeugung und Verbrauch im Stromnetz.
Regulierungskonto
Saldierungskonto der Netzentgeltregulierung – gleicht Abweichungen zwischen genehmigten und tatsächlichen Erlösen aus.
S
Steuerbare Ressource (SR)
Zusammenfassung von Technischen Ressourcen, die gemeinsam für Redispatch-Maßnahmen angesteuert werden können.
SCADA
System zur Überwachung und Steuerung technischer Prozesse – liefert Echtzeit-Messdaten von Erzeugungsanlagen für die Redispatch-Abrechnung.
SMARD
Strommarktdatenplattform der Bundesnetzagentur – bietet Echtzeitdaten zu Erzeugung, Verbrauch, Preisen und Redispatch-Maßnahmen.
Spannungshaltung
Aufrechterhaltung der Netzspannung innerhalb zulässiger Grenzen – neben der Frequenzhaltung eine der Kernanforderungen der Netzbetriebsführung.
Schwarzstart
Fähigkeit eines Kraftwerks, ohne externe Stromversorgung selbstständig hochzufahren – essenziell für den Netzwiederaufbau nach einem Blackout.
StromNEV
Stromnetzentgeltverordnung – regelt die Kalkulation und Struktur der Netzentgelte für Strom in Deutschland.
T
V
Verteilnetzbetreiber (VNB)
Betreiber regionaler Stromnetze im Mittel- und Niederspannungsbereich – zunehmend auch von Redispatch-Maßnahmen betroffen.
Verteilnetz
Regionales Stromnetz im Mittel- und Niederspannungsbereich – transportiert Strom vom Übertragungsnetz zu den Endverbrauchern.
Versorgungssicherheit
Die verlässliche und unterbrechungsfreie Bereitstellung von Strom für alle Verbraucher – ein zentrales Ziel des Energiewirtschaftsrechts.
W
§
§ 13 EnWG
Gesetzliche Grundlage für Maßnahmen der Übertragungsnetzbetreiber zur Aufrechterhaltung der Systemsicherheit, einschließlich Redispatch.
§ 14 EEG
Regelt die Verantwortung der Netzbetreiber für die Netzkapazität und die Pflicht zum unverzüglichen Netzausbau zur Aufnahme erneuerbarer Energien.
Ü
Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB)
Betreiber des Höchstspannungsnetzes in Deutschland – verantwortlich für Systemsicherheit und Redispatch-Maßnahmen.
Übertragungsnetz
Höchstspannungsnetz (220/380 kV) für den Ferntransport von Strom – betrieben von den vier deutschen Übertragungsnetzbetreibern.
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