Redispatch 2.0 erklärt: Was Betreiber wissen müssen
Mit Redispatch 2.0 gelten seit Oktober 2021 grundlegend neue Regeln für die Netzengpassbewirtschaftung. Dieser Leitfaden erklärt alle Änderungen und was Betreiber jetzt wissen müssen.
Was ist Redispatch 2.0?
Redispatch 2.0 bezeichnet die grundlegende Neugestaltung der Regeln für Redispatch-Maßnahmen in Deutschland. Seit dem 1. Oktober 2021 sind nicht mehr nur große konventionelle Kraftwerke, sondern alle Erzeugungsanlagen ab 100 kW in den Redispatch einbezogen – einschließlich erneuerbarer Energieanlagen.
Die bisherige Trennung zwischen Einspeisemanagement (für EE-Anlagen) und klassischem Redispatch (für konventionelle Kraftwerke) wurde aufgehoben und in einen einheitlichen Prozess überführt.
Die wichtigsten Änderungen im Überblick
- Erweiterter Anwendungsbereich: Alle Erzeugungsanlagen ab 100 kW, unabhängig vom Energieträger.
- Neue Rollen: Betreiber von Steuerbaren Ressourcen (BSR) und Technischen Ressourcen (BTR) als neue Marktakteure.
- Bilanzielle Kompensation: Redispatch-Eingriffe werden bilanziell über Bilanzkreise ausgeglichen.
- Standardisierte Kommunikation: Verpflichtender Datenaustausch über EDIFACT-Nachrichten.
- Zentrale Festlegung: Die BK6-20-059 der Bundesnetzagentur als verbindliches Regelwerk.
Pflichten für Anlagenbetreiber
Als Anlagenbetreiber müssen Sie folgende Pflichten erfüllen:
- Registrierung aller Anlagen im Marktstammdatenregister
- Korrekte Zuordnung von Steuerbaren und Technischen Ressourcen
- Bereitstellung aktueller Anlagenstammdaten
- Teilnahme an der standardisierten Marktkommunikation
- Duldung von Redispatch-Maßnahmen oder Umsetzung von Aufforderungen
Die Nichteinhaltung dieser Pflichten kann zu Verzögerungen bei der Entschädigung oder regulatorischen Konsequenzen führen.
Auswirkungen auf die Abrechnung
Die Abrechnung unter Redispatch 2.0 ist deutlich komplexer geworden. Je nach Anlagentyp und Situation kommen unterschiedliche Modelle zum Einsatz:
- Planwertmodell: Basiert auf angemeldeten Fahrplänen – vor allem für steuerbare Anlagen.
- Prognosemodell: Verwendet Ertragsprognosen – typisch für wetterabhängige EE-Anlagen.
Die Ausfallarbeit wird auf Basis dieser Modelle berechnet und bildet die Grundlage für die Entschädigung nach § 15 EEG.
Empfehlungen für die Praxis
Um die Anforderungen von Redispatch 2.0 effizient zu erfüllen, empfehlen wir:
- Stammdaten prüfen: Stellen Sie sicher, dass alle Anlagendaten im MaStR aktuell sind.
- Prozesse automatisieren: Nutzen Sie spezialisierte Software für den Datenimport und die Ausfallarbeitsberechnung.
- Marktkommunikation sicherstellen: Testen Sie Ihre EDIFACT-Schnittstellen regelmäßig.
- Dokumentation aufbauen: Implementieren Sie von Anfang an eine revisionssichere Dokumentation.
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